Freiburg wir kommen!

Unter diesem Motto und voller Erwartungen begann am Montag, dem 5. Mai um 8:15 Uhr unsere Orchesterfahrt nach Freiburg. Nach ca. 6 Stunden Fahrt haben wir unsere gemütliche Herberge erreicht. Ihre Lage ist einmalig, direkt zwischen dem Schwarzwald und der Dreisam (Fluss), aber doch der Innenstadt nah. Gleich nach der Ankunft standen auch schon die ersten Erkundungstouren auf dem Programm, bereits vor dem Abendessen die Umgebung der Jugendherberge und die für uns wichtigsten Straßenbahnhaltestellen. Nach dem Essen spazierten wir dann an der Dreisam entlang Richtung Stadtzentrum, wo wir schon mal einen ersten Blick auf das Freiburger Münster werfen konnten und einen Eindruck von dem wunderschönen kleinen Innenstadtbereich von Freiburg bekamen. Ganz nach der Legende „wer versehentlich ins Bächle tritt,“ (kleine Bäche/Kanäle, die sich durch viele Straßen in der Innenstadt ziehen) „ eine/n Freiburger/in heiraten wird“, ist dieses Schicksal nun auch zwei von unseren Musikern vorherbestimmt. Da das Wetter leider eher recht kühl war, sind wir den nass Gewordenen zu Liebe, gemütlich mit der Straßenbahn in unsere Herberge zurück gefahren, anstatt erneut der langen Weg am Fluss zu laufen.

Am Dienstag standen Geschichtliches und Kultur im Mittelpunkt des Tages. Nach einem frühen Aufstehen fuhren wir nach dem Frühstück direkt zur Führung durch die Altstadt. Die Historie der einmaligen „Bächle“, Grundinformationen zum ebenfalls einmaligen Münster, das wir allerdings am Donnerstag noch ausführlich besichtigt haben, und weitere Ergänzungen zur verwinkelten Altstadt und der in die Stadt integrierten Universität ließen die Zeit der Führung wie im Flug vergehen. Zur Intensivierung besuchten wir danach das Augustinermuseum, dessen Besonderheit vor allem in der Ausstellung der Fenster des Münsters liegt, die dadurch sehr genau anzuschauen sind. Eine Sonderausstellung von Malerei über das Leben im Schwarzwald vermittelte uns zudem viele Eindrücke, wie beschwerlich, aber auch faszinierend die Menschen dort in den vergangenen Jahrhunderten lebten.

Nach einer kurzen Mittagspause erklommen wir noch den Schlossberg, mächtig steil und anstrengend, insbesondere für die Tapferen, die unseren „fußkranken“ Julian mit seinem Rollstuhl über Stock und Stein wuchteten. Den Lohn der Mühen gab es auf der Aussichtsplattform des Berges mit einem atemberaubenden Blick über die Stadt bis weit in den Schwarzwald hinein. Abends besuchten wir ein Sinfoniekonzert, dessen Eintrittsgeld uns vom Förderverein des Friedrichsgymnasiums zur Verfügung gestellt wurde, und dessen Programm mit Smetanas Moldau, dem Konzertstück für vier Hörner und Orchester von Schumann und der 6. Sinfonie von Beethoven für uns Bekanntes mit unbekannter Musik verband. Müde und vom vielen Unterwegssein erschöpft freuten wir uns, dass wir mit unserem Konzertkarten auch wieder mit der Straßenbahn in die Herberge fahren konnten.

Da für Mittwoch schlechtes und kaltes Wetter vorhergesagt war, wurde es leider nichts mit einer Wanderung durch die Höhen des Schwarzwaldes. Und tatsächlich regnete es fast den ganzen Tag. Am Morgen fuhren wir stattdessen direkt nach dem Frühstück in das kleine Städtchen Furtwangen. Dort besuchten wir die „Arche“, ein Gasthaus-Museum, in dem wir ein seltenes Instrument kennenlernen durften: ein Orchestrion. Es macht den Anschein als wäre es ein normales Klavier, aber dahinter steckt ein durch Luftdruck angetriebener, mechanischer Musikautomat, der früher in der Gaststädte durch ein paar eingeworfene Geldstücke ein ganzes Orchester imitierte, was uns auch eindrücklich vorgeführt wurde. Nur wenige Menschen kennen sich mit dem Instrument noch so gut aus, dass sie es bedienen und kleine Reparaturen machen können und spezielle Ersatzteile, wie z.B. die Walzen mit den Lochkarten, die für die Musikerzeugung notwendig sind, gibt es in ganz Europa überhaupt nur noch bei zwei Firmen. Auch die anderen Räume des Museum konnten wir besichtigen und bekamen dadurch hautnah mit, wie man sich das frühere Leben in der bäuerlichen Gesellschaft des Schwarzwalds vorstellen kann. Anschließend erhielten wir auch eine Führung im Deutschen Uhrenmuseum und erfuhren dabei viel über die interessante Entwicklung der Uhr vom Mittelalter bis heute. Auch hier wurden uns verschiedene mechanische Uhren vorgeführt, von der extrem lauten Spieluhr auf einem Kirmesplatz bis hin zur zärtlichen Kuckucksuhr.

Zurück in der Jugendherberge verbrachten wir den für Orchesterfahrten traditionellen gemeinsamen „bunten Abend“ mit lustigen Spielen und Sketchen, bei dem wir extrem viel gelacht und uns trotz der Altersunterschiede noch viel besser kennengelernt haben.

Nach dem langen Spieleabend folgte ein erneut teilweise vom Regen begleiteter Donnerstag. Die anfänglich trübe Stimmung wurde jedoch zeitnah nach dem Frühstück von einer packenden, interaktiven Führung des Domorganisten im Münster abgelöst, der es durch Lebendigkeit und Begeisterung für seinen Beruf verstand, uns und unser Interesse zu fesseln. Dabei lag ein besonderer Fokus auf der Vielfalt einzelner Orgelpfeifen und –register, dem Mechanismus einer Orgel an sich, sowie der Harmonie aller vier Orgeln der Münsters als großes Ganzes. Diese können von einem Spieltisch aus sowohl einzeln als auch alle zusammen gespielt werden. Durch die Einmaligkeit der vier funktionierenden Orgeln in einem Kirchenraum wurde uns eindrucksvoll vorgeführt, welche auch räumlich unterschiedlichen Klänge im Münster erzeugt werden können. Im Anschluss an die Orgelführung stellte ein gelernter Steinmetz den historischen Hintergrund sowie die Besonderheiten einzelner Teile des Münsters bezüglich der Konstruktion der Steinmetzarbeiten, der Materialwahl und der Inspiration aus anderen Fürstentümern dar. Vor allem der hohe Turm des Münsters beeindruckte uns in seiner Schlichtheit und Schönheit. Nachdem die intensive und detailreiche Besichtigung des Münsters beendet war, gab es die Möglichkeit zur Turmbesteigung. Der anschließende Nachmittag diente zur individuellen freien Erkundung der Innenstadt oder gab Gelegenheit zum Ausruhen in der Jugendherberge, wobei auch hier das kühle, wenn auch inzwischen nicht mehr regnerische Wetter ein wenig auf die Stimmung drückte. Zum Ausklang dieses Tages wurde es durch den Besuch der Oper „Don Giovanni“ noch einmal musikalisch. Eine uns und das Publikum faszinierende Vorstellung, dessen Karten für uns wiederum durch den Förderverein übernommen wurden, rundete unseren Aufenthalt in Freiburg ab.

So kamen wir dann am Freitagnachmittag erschöpft aber von vielen schönen Eindrücken erfüllt wieder in Kassel an und konnten am Wochenende zum Glück ein wenig Schlaf nachholen.

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